Webinar | Von der Aufnahme bis zur Genesung: Optimierung der Versorgung mit Patient Journey.

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aktuelles | 22 Juli 2026

Digitale Steuerung der Patient*innenreise an der Vulpius Klinik

Wie stellen Sie sicher, dass Patient*innen während des gesamten Behandlungsprozesses gut informiert sind, ohne sie zu überlasten? Um diese Frage zu beantworten, kombinieren wir die Praxiserfahrungen aus der Vulpius Klinik mit Forschungserkenntnissen rund um die Patient Journey-App. So entsteht ein klares Bild von der Rolle digitaler Unterstützung innerhalb des gesamten Behandlungsprozesses. 

Innerhalb der Versorgungspraxis wird die Rolle von Patient*innen und Pflegebedürftigen bei ihrer eigenen Behandlung immer größer. Gleichzeitig nimmt die Informationsmenge zu, während die Aufenthaltsdauer abnimmt. Dies erfordert eine andere Art der Versorgungsbegleitung, insbesondere innerhalb von Fast-Track-Programmen. Patient*innen erhalten nämlich viele Informationen, können diese aber nicht immer gut verarbeiten oder in der Praxis anwenden.

Informationen in kleinen Schritten

Laut Dr. med. Guido Mohr, Oberarzt an der Vulpius Klinik in Bad Rappenau, liegt die Stärke von Patient Journey in der phasenweisen Bereitstellung von Informationen. Anstatt einer einmaligen Erklärung erhalten Patient*innen Informationen basierend auf dem Fortschritt des Pflegeprozesses, abgestimmt auf ihren Behandlungsverlauf.

Dadurch bleiben Patient*innen aktiv eingebunden. Sie können Informationen erneut lesen, sich vertiefen und erhalten Erinnerungen für wichtige Maßnahmen. Denken Sie an die Vorbereitung auf eine Operation oder praktische Angelegenheiten rund um die Aufnahme. Dieser Ansatz erweist sich als effektiv: Nach der Einführung der App im Jahr 2016 wurde die Anwendung im ersten Halbjahr bereits über 620 Mal heruntergeladen, bei circa 270 aktiven Benutzer*innen. Inzwischen liegt diese Zahl zwischen 400 und 470 aktiven Benutzer*innen für die Behandlungsverläufe rund um das Einsetzen von Knie- und Hüfttotalendoprothesen.

Vortrag auf der Fast Track Endoprothetik Berlin über die Patient Journey und die Vulpius Klinik.

Thomas Timmers und Dr. med. Guido Mohr beim Fast Track Endoprothetik Berlin

Unterstützung während der Genesung

Die Rolle der Patient*innen wird größer, je häufiger die Versorgung zu Hause stattfindet. Wo Patient*innen früher mehrere Tage im Krankenhaus blieben, gehen sie heute früher nach Hause. Dadurch verlagert sich ein Teil der Versorgung in die häusliche Umgebung. Laut Thomas Timmers, Mitbegründer von Patient Journey (ehemals Patient Journey-App) und Forscher am Radboudumc, erfordert dies eine kontinuierliche digitale Begleitung.

Über die App erhalten Patient*innen täglich Informationen und Unterstützung. Denken Sie an Anweisungen für Medikamente, Übungen und Wundversorgung. Dadurch werden sie dazu angeregt, aktiv an ihrer Genesung teilzunehmen. Untersuchungen zeigen, dass dies zu einer schnelleren funktionellen Genesung, besserer Schmerzbewältigung und einer höheren Patient*innenzufriedenheit führt. In einer randomisierten Studie zeigte sich, dass Patient*innen, die die App nutzten, 52 % mehr Wissen über die Behandlung hatten. In der Vulpius Klinik, wo die App seit 2018 im Einsatz ist, bewerten 98 % der Patient*innen die App als nützlich. Auffällig ist, dass sich insbesondere Patient*innen, die weniger physischen Kontakt zu Pflegefachkräften haben, durch die App oft stärker in den Behandlungsprozess eingebunden fühlen.

Reichweite und Akzeptanz

Der Umfang, in dem digitale Unterstützung eingesetzt wird, wächst schnell. Inzwischen haben weltweit fast 2 Millionen Patient*innen die Patient Journey-App genutzt, mit circa 200.000 neuen Benutzer*innen im vergangenen Jahr.

Auch ältere Zielgruppen kommen gut mit der App zurecht. In einer Studie zur Prähabilitation lag die Nutzung der App bei etwa 97 %, trotz eines Durchschnittsalters von 72 Jahren. Dies unterstreicht, dass digitale Anwendungen niederschwellig sein können, solange ihre Gestaltung auf die Zielgruppe abgestimmt ist.

Digitale Vorbereitung funktioniert

Neben der Unterstützung nach einer Behandlung spielt die App auch eine Rolle bei der Vorbereitung. Prähabilitation hilft Patient*innen, sich physisch und mental auf einen Eingriff vorzubereiten. Über die App erhalten sie Zugang zu Übungen, Ernährungstipps und Lebensstilinterventionen.

Digitale Prähabilitation zeigt vergleichbare Ergebnisse wie die physische Begleitung im Krankenhaus. Gleichzeitig erfordert dieser Ansatz weniger Kapazität von Pflegefachkräften und weniger Reisebewegungen der Patient*innen. Dies macht es zu einer skalierbaren Lösung innerhalb eines Gesundheitssystems, das unter Druck steht.

Von der Information zur Interaktion

Während die App in vielen Fällen als Ergänzung oder Ersatz für Broschüren und andere Informationsmittel beginnt, liegen die größten Chancen in der Interaktion. Funktionalitäten wie Fragebögen, eine Chatfunktion und PROMs (patient*innenberichtete Ergebnisse) ermöglichen es, kontinuierlich Einblick in den Genesungsprozess zu erhalten.

Eine zukünftige Entwicklung, die derzeit untersucht wird, ist der Einsatz von künstlicher Intelligenz. In einer Studie mit 100 von Patient*innen gestellten Fragen erwiesen sich KI-generierte Antworten laut den Pflegefachkräften inhaltlich als korrekt und empathisch, sofern die Antworten mit Kontext versehen waren. Dies bietet Möglichkeiten, repetitive Kommunikation zu unterstützen, während Pflegefachkräfte die Regie behalten.

Implementierung erfordert Aufmerksamkeit

Ein erfolgreicher Einsatz der App erfordert mehr als nur Technologie. Dr. med. Guido Mohr betont, dass die Akzeptanz stark davon abhängt, wie aktiv Pflegefachkräfte die App bewerben. Wenn dies strukturell während der Konsultationen geschieht, wächst die Nutzung, aber wenn Pflegefachkräfte die App nicht aktiv empfehlen, sinken die Downloadzahlen.

Darüber hinaus ist es wichtig, die App gut auf den Pflegeprozess abzustimmen. Nicht jeder Behandlungspfad ist für das gleiche Maß an Standardisierung geeignet. Eine klare Positionierung und das aktive Engagement der Pflegeteams sind für eine nachhaltige Implementierung unerlässlich.

Porträt von Dr. med. Guido Mohr

Dr. med. Guido Mohr, Oberarzt an der Vulpius Klinik in Bad Rappenau

Zur datengesteuerten Pflege

Die Zukunft von Apps wie Patient Journey liegt in der weiteren Integration und datengesteuerten Arbeitsweise. Durch die Kombination von Daten aus Fragebögen, Fortschrittsmessungen und eventuellen Wearable-Daten (wie Informationen eines Schrittzählers) entsteht ein vollständigeres Bild der Genesung. Dies ermöglicht es, die Pflege gezielter einzusetzen. Einige physische Kontrollen können reduziert werden, während andere Patient*innen gerade zusätzliche Aufmerksamkeit erhalten. Gleichzeitig bleibt der Grundsatz bestehen, dass sich Patient*innen bei ihrer Genesung unterstützt und sicher fühlen.

Digitale Unterstützung durch Patient Journey zeigt, dass Technologie einen Mehrwert bietet, wenn sie sich an der Praxis orientiert. Sowohl Pflegefachkräfte als auch Pflegenutzer*innen profitieren von einer Methode, bei der Informationen strukturiert angeboten werden. So entsteht ein Pflegeprozess, in dem die Zusammenarbeit im Mittelpunkt steht und sich die Qualität der Pflege sichtbar verbessert.