Webinar | Von der Aufnahme bis zur Genesung: Optimierung der Versorgung mit Patient Journey.

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aktuelles | 11 Juni 2026

Wie die digitale Pflege einen echten Mehrwert schafft

Viele Abläufe im Pflegeprozess sind aus Gewohnheiten entstanden. Wir erbringen Pflegeleistungen auf eine bestimmte Art und Weise, weil wir das nun einmal so machen. Auf dem ICT & Health-Kongress diskutierten Thomas Timmers, Mitbegründer der Patient Journey App, und Fleur Maagdenberg, Business Development bei Enovation, wie die Digitalisierung der Gesundheitsversorgung diese Gewohnheiten durchbrechen kann. Nicht durch den Einsatz von noch mehr Technologie, sondern indem wir die Pflege intelligenter, menschlicher und bedarfsgerechter gestalten.

Aber was versteht man eigentlich unter einer angemessenen digitalen Gesundheitsversorgung? Thomas beschreibt es als „Gesundheitsversorgung, die einen Mehrwert schafft und nicht blind Traditionen folgt“. In einer Branche, die unter Personalmangel und einer steigenden Nachfrage nach Pflegeleistungen leidet, ist diese Form der digitalen Gesundheitsversorgung unverzichtbar.

Verhaltensänderung

Laut Thomas ist eine Verhaltensänderung erforderlich, um eine Gesundheitsversorgung zu erreichen, die einen Mehrwert schafft. Zum Beispiel, indem man nicht mehr alle Patient*innen persönlich sieht, sondern nur noch, wenn es nötig ist. Gleichzeitig erfordert eine angemessene digitale Gesundheitsversorgung mehr Eigenverantwortung seitens der Patient*innen, beispielsweise durch die aktive Vorbereitung von Terminen, den Austausch von Informationen und die Mitgestaltung des Pflegeprozesses.

Von einzelnen Apps zum Gesamtkonzept

Viele Pflegebedürftige verlieren aufgrund der Zersplitterung ihres Pflegeprozesses den Überblick. Verschiedene Portale, einzelne Apps, E-Mails und Fragebögen sorgen für Verwirrung bei Patient*innen, Klient*innen und anderen am Pflegeprozess Beteiligten. Das Patientenportal und die Patient Journey von Enovation zeigen, dass es auch anders geht. Zusammen bieten sie einen übersichtlichen Überblick, der von allgemeinen Informationen bis hin zu spezifischen Angaben zum Behandlungsablauf reicht. Hier gehen allgemeine Informationen (wie Termine und Akteneinsicht) nahtlos in konkrete Schritte über, die auf die Situation der jeweiligen Person zugeschnitten sind.

Zwei Personen stehen vor einer Präsentationsfläche mit violettem Hintergrund; im Vordergrund steht der Text ICT & health und die offizielle Wissensplattform für Gesundheitsinnovation.

Intelligente digitale Triage

Ein Beispiel dafür, wie die digitale Gesundheitsversorgung den Pflegeprozess bereichern kann, zeigt sich deutlich bei der präoperativen Untersuchung im Jeroen-Bosch-Krankenhaus. Das Ziel des präoperativen Screenings besteht darin, möglichst viele Patient*innen im Vorfeld digital zu beurteilen. Dadurch lassen sich unnötige Krankenhausbesuche vermeiden. Durch eine intelligente digitale Triage lässt sich im Voraus feststellen, wer einer persönlichen Untersuchung unterzogen werden muss und bei wem eine telefonische oder digitale Untersuchung ausreicht. Untersuchungen zeigen, dass bis zu 70 % der Patient*innen sicher aus der Ferne untersucht werden können. Das spart Zeit, führt zu weniger unnötigen Terminen und sorgt für besser vorbereitete Patient*innen.

Fit für die Operation

Ein weiteres Beispiel findet sich im Bereich der Prähabilitation der Noordwest Ziekenhuisgroep. Sie unterstützen Darmkrebspatient*innen dabei, fitter in die Operation zu gehen. Bei diesem Projekt kommt es vor allem auf eine gute Vorbereitung an. Anstelle von teuren und schwer skalierbaren Programmen im Krankenhaus können Patient*innen zu Hause über die App trainieren. Dank persönlicher Betreuung, Erinnerungen und Nachrichten von ihren eigenen Pflegekräften ist diese Form der digitalen Gesundheitsversorgung nicht nur effektiv, sondern auch kosteneffizient. Im Durchschnitt liegen die Kosten pro Patient*in um etwa 1.000 € niedriger, während die Behandlungsergebnisse nahezu unverändert bleiben. Ein nächster Schritt in diesem Prozess besteht darin, das Patientenportal zusammen mit der Patient Journey App zu nutzen, um Patient*innen Schritt für Schritt zu begleiten.

Fernbetreuung bei COPD

Ein weiterer Bereich, in dem die digitale Gesundheitsversorgung einen Mehrwert bieten kann, ist die COPD-Versorgung, die Teil des Digitalen Gesundheitszentrums (DGC) ist. Bei COPD-Patient*innen endet die Betreuung nicht nach einer Behandlung, da es sich um einen kontinuierlichen Pflegeprozess handelt: vom körperlichen bis zum sozialen Wohlbefinden. Digitale Behandlungspfade ermöglichen eine Fernüberwachung mit Fragebögen, Coaching und Unterstützung bei der Lebensumstellung. So wird die Versorgung bei DGC nicht mehr „einfach nur, weil sie geplant ist“ erbracht, sondern nur dann, wenn sich anhand der Daten und unter Berücksichtigung der Situation der Patient*innen selbst herausstellt, dass sie notwendig ist.

Durch regionale Kooperationen mit Krankenhäusern, Hausärzt*innen, Pflegeeinrichtungen und sogar dem sozialen Bereich schafft das DGC bereichsübergreifende Behandlungspfade, in denen Informationen die Patient*innen kontinuierlich begleiten. Die Ergebnisse sind vielversprechend: 893 Wiederholungsbesuche weniger im Jahr 2024 im Vergleich zu 2019, ohne dass dies zu Lasten der Gesundheit der Patient*innen geht.

Echter Mehrwert im Gesundheitswesen

Indem Gesundheitsanwendungen in einem einzigen Dashboard zusammengeführt werden, wird die digitale Gesundheitsversorgung auch für das medizinische Fachpersonal praktikabel und wertvoll. Bei einer passenden digitalen Gesundheitsversorgung geht es nämlich nicht um eine weitere Gesundheits-App, sondern um Kohärenz, Verhaltensänderungen und Technologien, die sich wie eine logische Erweiterung der Gesundheitsversorgung anfühlen. Erst dann bringt die Digitalisierung im Gesundheitswesen einen echten Mehrwert.