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aktuelles|01 Mai 2026
Die regionale Gesundheitsversorgung braucht einen Koordinator
Der Druck auf das Gesundheitswesen nimmt zu. Wir möchten die Gesundheitsversorgung bezahlbar halten, den Patient*innen eine bessere Erfahrung bieten und die Gesundheitsdienstleister entlasten. Gleichzeitig verlagert sich der Schwerpunkt zunehmend von der Krankheit hin zur Gesundheit und von der Behandlung durch einzelne Gesundheitseinrichtungen hin zur regionalen Zusammenarbeit. Auf der Veranstaltung „Zorg & ICT“ erläuterten Fleur Maagdenberg und Glenn Bruins von Enovation (Teil von Legrand Care), warum regionale Zusammenarbeit unerlässlich ist.
Die Notwendigkeit regionaler Zusammenarbeit
In der Sitzung „Regionale Zusammenarbeit beginnt an der Basis“ wiesen Glenn und Fleur darauf hin, dass es mehrere Gründe gibt, innerhalb der Region intensiver zusammenzuarbeiten. Auf diese Weise lassen sich Diagnosen durch Zusammenarbeit leichter austauschen und Doppeluntersuchungen vermeiden. Für die Patient*innen bedeutet dies weniger „von Pontius zu Pilatus“ und mehr Kontinuität in ihrem Behandlungsverlauf. Das Ergebnis für das Pflegepersonal ist ein umfassenderes Bild der Patient*innen und weniger Wechsel zwischen einzelnen Anwendungen.
Fragmentierung
Genau da liegt heute oft das Problem: die Kontinuität im Pflegeprozess. Viele Gesundheitsdienstleister arbeiten mit ihrer eigenen elektronischen Patientenakte, müssen aber gleichzeitig über separate Plattformen kommunizieren und Daten in verschiedenen Viewern abrufen. Außerdem müssen sie die Patient*innen dann über andere Anwendungen für Behandlungspläne oder die häusliche Überwachung weiter begleiten. Die Folge sind Fragmentierung, zusätzlicher Aufwand und das Risiko, dass wichtige Pflegeinformationen verloren gehen.
Eine Plattform für Gesundheitsdienstleister
Das Ziel ist klar: Pflegekräfte sollen mit einer einzigen Anmeldung Zugriff auf alles haben, was sie für die Pflege über die Grenzen ihrer eigenen Organisation hinaus benötigen. Nicht nur Patient*innendaten aus verschiedenen Quellen einsehen, sondern auch Behandlungswege anzeigen, mit Patient*innen kommunizieren und mit Kolleg*innen außerhalb der eigenen Organisation zusammenarbeiten. In diesem Modell geht der Gesundheitsdienstleister stets vom Kontext der Patient*innen aus. Über das Quellsystem erhält er oder sie einen 360-Grad-Überblick über die aktuellen Behandlungsabläufe, die jüngste Kommunikation, die Pflegeaufgaben und relevante Akteninformationen. Das erleichtert die Zusammenarbeit und verhindert, dass Informationen über verschiedene Systeme verstreut werden.
Die Notwendigkeit von Koordinator*innen in der Region
Um dies regional organisieren zu können, entsteht in der Region eine neue Rolle, die immer wichtiger wird: die der Koordinator*innen. Es handelt sich hierbei nicht um Haus- oder Fachärzt*innen, sondern beispielsweise um eine(n) Pflege-Telecoach*in, einen Pflegevermittelnden oder einen Mitarbeitenden in einem regionalen Koordinationszentrum. Die Pflegekoordinator*innen betrachten die Pflege aller Klient*innen oder Einwohnenden einer Region aus einer übergreifenden Perspektive. Dabei wird über die medizinische Versorgung hinausgeschaut. So berücksichtigen die Pflegekoordinator*innen auch das Wohlbefinden und den sozialen Bereich. Oder wenn ein Gespräch mit einem Coach bzw. einer Coachin oder eine Überweisung an einen anderen Gesundheits- oder Sozialdienstleister erforderlich ist.
Für die Rolle der Pflegekoordinator*innen ist der Überblick entscheidend. Die Koordinator*innen arbeiten dabei mit einer Art Cockpit. So ist stets klar, welche Klient*innen überwacht werden, welche Behandlungspfade aktiv sind, welche Signale oder Alarmmeldungen eingehen und wo Maßnahmen erforderlich sind.
Praxisbeispiele für regionale Gesundheitsversorgung
In verschiedenen Regionen wird diese Arbeitsweise bereits konkret umgesetzt. Ein gutes Beispiel für Pflegekoordinator*innen in der Rolle des Telecoachings findet sich im Digitalen Gesundheitszentrum. Hier werden regional Behandlungswege zwischen dem Krankenhaus, den Pflegeeinrichtungen und den Hausärzt*innen eingerichtet. Es werden bereits Tausende von Patient*innen betreut, wobei dieTelecoach*innen zunehmend eine echte Koordinationsrolle übernehmen, wobei der Schwerpunkt auf der ganzheitlichen Pflege und dem Wohlbefinden liegt.
Auch die Gesundheitsversorgung per Video zeigt, wie wirkungsvoll regionale Zusammenarbeit sein kann. Im Norden der Niederlande wird die Videokonsultation in großem Umfang für die Überweisung komplexer Patiente*innenfälle eingesetzt. Pflegekräfte müssen nicht persönlich zu einem akademischen Zentrum fahren, sondern nehmen an digitalen Terminen teil. Technisch gesehen ist das ganz einfach, aber organisatorisch erfordert dies gemeinsame Vereinbarungen und Vertrauen. Gerade diese Aspekte machen eine regionale Zusammenarbeit erfolgreich.
Fernbetreuung und das regionale Netzwerk
Ein weiteres Beispiel für eine Rolle, die die Pflegekoordinator*innen übernehmen können, ist die des Pflegevermittelnden. Da der Schwerpunkt im Gesundheitswesen auf einem längeren selbstständigen Leben zu Hause liegt, entsteht die Notwendigkeit einer koordinierenden Rolle bei verschiedenen Anzeichen für einen Pflegebedarf. Denken Sie beispielsweise an den Hausnotruf bei Unfällen, die Überwachung zu Hause oder die Medikamentenüberwachung. Diese Signale laufen nun an einem zentralen Ort zusammen, und bei Bedarf wird das regionale Gesundheitsnetzwerk eingeschaltet.
Durch die Bündelung der Pflegesignale in einer zentralen Umgebung kann das Pflegepersonal schneller und besser reagieren. Dabei geht es um eine intelligente Triage: Welches Signal ist dringend, welches kann warten und wer muss Maßnahmen ergreifen? Enovation bietet diese Art der Zusammenführung und Verwaltung von Pflegesignalen bereits in großem Umfang für verschiedene Pflegezentralen an, wie beispielsweise das Medizinische Servicezentrum Altide.
Die richtige Versorgung am richtigen Ort
Ein weiteres Beispiel für die Ausgestaltung der Rolle der Koordinator*innen im Gesundheitswesen sind die regionalen Koordinierungsstellen, die eine immer wichtigere Rolle spielen. Zum Beispiel bei „Verwijspunt020“ in Amsterdam und „Verwijshulp010“ in Rotterdam. Dabei geht es nicht nur um die Überweisung, sondern gerade um die Vermittlung. Wo ist Platz, welche Umgebung passt am besten zu den Patient*innen und welche Informationen sind erforderlich, um eine wohlüberlegte Entscheidung zu treffen? Es gibt jedoch kein einheitliches Konzept für die gesamten Niederlande. Jede Region organisiert die Gesundheitsversorgung anders, und zwar so, wie es der lokalen Situation entspricht. Was jedoch überall gilt, ist, dass die Koordination ohne eine gute Integration und verfügbare Daten weiterhin schwerfällig und fehleranfällig bleibt.
Daten als Schlüssel zum Erfolg
Die Zusammenarbeit steht und fällt mit den Daten. In den Niederlanden existieren unzählige Informationssysteme, Standards und Infrastrukturen nebeneinander. Denken Sie beispielsweise an FHIR, XDS, LSP und verschiedene nationale Systeme. In der Praxis bedeutet dies, dass Informationen manchmal über verschiedene Wege verfügbar werden. Die Stärke liegt dabei in der Vernetzung all dieser Quellen. Durch die Integration und Standardisierung von Gesundheitsdaten entsteht ein einheitliches Ganzes, das unabhängig von den zugrunde liegenden Systemen ist. Für Pflegekräfte und Koordinator*innen bedeutet dies vor allem, dass sie ihre Aufgaben einfacher erledigen können. Sie müssen nicht wissen, woher die Daten stammen, solange sie verfügbar sind, wenn sie gebraucht werden.
Regionen wie das Land van Cuijk und Nord-Limburg zeigen, wie bestehende Infrastrukturen intelligent genutzt werden können. Hier nutzen Mitarbeitende im Gesundheitswesen XDS nicht nur für medizinische Bilder, sondern auch für Datendienste. So entsteht ein Netzwerk, in dem Krankenhäuser, Hausärzt*innen, Apotheker*innen und medizinisches Fachpersonal auf der Grundlage gemeinsamer Informationen zusammenarbeiten.
Integration macht den Unterschied
Durch den technologischen Fortschritt schreitet die Entwicklung neuer Anwendungen im Gesundheitswesen immer schneller voran. Ohne Verbindung zu lokalen Datenquellen bleiben sie jedoch leere Hüllen. Der wahre Wert dieser Gesundheitsanwendungen liegt in ihrer Integration in den Pflegeprozess. Keine doppelten Erfassungen, keine Anrufe, um Informationen zu erfragen, sondern Zusammenarbeit auf der Grundlage einer gemeinsamen Datenbasis. Die regionale Gesundheitsversorgung erfordert eine zentrale Koordination. Diese Steuerung entsteht nicht von selbst, sondern durch die intelligente Kombination von Technologie, Daten und Zusammenarbeit. Darin liegt der Schlüssel zu einer zukunftsfähigen und integrierten Gesundheitsversorgung.
Im Dezember wurde der Enovation Mitz Connector um zwei neue Funktionen für die Einwilligungseinrichtung Mitz erweitert. Die Validierungstests für „Offene Autorisierungsanfrage“ und „Migrationsmeldung“ wurden erfolgreich abgeschlossen und sind nun Teil des Enovation Mitz Connectors.
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Die Labore von Unilabs, einem der größten Diagnostikunternehmen Europas, in der Region Utrecht haben im März als erste den Mitz Connector von Enovation in Betrieb genommen.
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Datenverfügbarkeit ist entscheidend für eine hochwertige digitale Gesundheitsversorgung. Daten müssen verständlich, nutzbar und relevant sein – mit Zustimmung der Patientinnen und Patienten. Sowohl auf nationaler als auch auf europäischer Ebene, über die EHDS, wird an einem sicheren und standardisierten Datenaustausch gearbeitet.