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Schneller Einblick in die Wirkungsweise von Medikamenten mit Real World Monitoring

Bei welchen Patient*innengruppen wird ein Medikament eingesetzt und bei welchen Patient*innengruppen ist dieses Medikament wirksam? Um schneller mehr Erkenntnisse über die Wirkungen neuer Medikamente zu gewinnen, hat IKNL mit Performation (Teil von Enovation seit Februar 2025) ein Projekt gestartet, um die Wirkungen (neuer) Medikamente frühzeitig nach Beginn der Behandlung zu beobachten, zunächst als Pilotprojekt für eine bestimmte Art von hämatologischer Krebserkrankung. 

Dr. Merkx

Das Ziel sei ein schnelleres Gesundheitssystem, erklären der Kopf-Hals-Onkologe Prof. Dr. Thijs Merkx (Radboudumc, Nimwegen), Vorsitzender des Verwaltungsrats des IKNL, und der Internist und Hämatologe Dr. Ward Posthuma (Reinier de Graaf, Delft), medizinischer Berater im IKNL.

In den letzten Jahren wurde das niederländische Krebsregister (NKR) in Absprache mit Fachleuten aus dem Gesundheitswesen um zusätzliche klinische Daten erweitert, um mehr Informationen erhalten zu können. Beim Einsatz neuer Mittel besteht jedoch Bedarf an einer schnelleren Rückkopplung dieser Real-World-Daten, zusätzlich zu klinischen Studien. Aus diesem Grund hat IKNL das R(H)ONDA-Projekt ins Leben gerufen, (Realtime (Hemato-)ONcology DAta).

Dieses Projekt nutzt das Datagateway, das in über vierzig niederländischen Krankenhäusern installiert wurde und einen sicheren Zugriff auf aktuelle Daten zu beispielsweise Krankenhausaufenthalten, Behandlungen und verschriebenen Medikamenten ermöglicht. Im Rahmen des R(H)ONDA-Projekts können diese Daten – anonym – mit dem NKR verknüpft werden, wodurch schneller Einblick in die in der Praxis eingesetzten neuen Mittel und deren Auswirkungen gewonnen werden kann.

Nichts ist schwieriger, als im Sprechzimmer sagen zu müssen, dass jemand ein Medikament nicht bekommt

Bedarf an aktuellen Informationen

Optimale Verwaltung einer Gesundheitsorganisation mit Hilfe von Daten. Das ist es, worin wir unterstützt werden. Insbesondere in den Bereichen Kapazitätsmanagement, Finanzen, Registrierung von Pflegeleistungen und Managementinformationen. Das Datagateway bietet Zugang zu aktuellen Gesundheitsdaten aus vielen Jahren.

Die Frage ist nun, ob man daraus auch lernen kann. „In den Niederlanden werden beispielsweise immer mehr Diskussionen über teure Medikamente geführt: Kann man „Steuerungsinformationen“ für das Behandlungszimmer entwickeln?“, fragt Thijs Merkx. „Diese Frage wird sowohl vom Gesundheitsministerium als auch vom Zorginstituut Nederland, der EMA und einzelnen Krankenhäusern gestellt. Es kommen immer mehr neue Medikamente auf den Markt: Was sind dann die Entscheidungskriterien, ob ein Medikament zugelassen wird oder nicht (mehr)? Im Behandlungszimmer besteht die Herausforderung darin, zu entscheiden, wem man ein teures Medikament verschreibt und wem nicht, warum und für wie lange. Onkologiepatient*innen sind oft komplexe Patient*innen, die manchmal an vielen anderen Erkrankungen leiden. Man kann alle Daten ein Jahr nach der Behandlung manuell erfassen, aber besser ist es, diese Informationen bereits im Sprechzimmer zu haben, wenn die Patientin oder der Patient vor einem sitzt.

Lernen aus dem Sprechzimmer

Das R(H)ONDA-Projekt wurde ins Leben gerufen, um zu untersuchen, was in den verschiedenen Sprechzimmern geschieht und ob man daraus lernen kann. So werden in der Praxis immer mehr Medikamente kombiniert verabreicht. Merkx: „Die Frage ist auch: Muss man alles tun, was möglich ist bzw. ist alles möglich, was getan werden sollte.

Im vergangenen Jahr haben wir den Bericht „Uitgezaaide kanker in beeld” (Metastasierender Krebs im Visier) veröffentlicht. Darin wird aufgezeigt, dass bei Patient*innen, die an metastasierendem Krebs leiden, in den letzten zehn Jahren lediglich eine Verlängerung der Lebenserwartung von einem Monat erzielt werden konnte. Und dafür wurden Milliarden Euro an teuren Medikamenten ausgegeben. Noch erschütternder ist, dass sich die Lebensqualität der Patient*innen, die diese Medikamente erhalten haben, nicht verbessert hat. Bei Melanom- und Hämatologiepatienten sehen wir eine Wirkung dieser neuen, teuren Medikamente, aber bei metastasierten Magen-, Darm- und Leberkrebserkrankungen sehen wir selten einen Effekt. Diese Unterschiede können wir zwar rückblickend feststellen, aber man möchte natürlich aktuelle Informationen haben. Nichts ist schwieriger, als im Sprechzimmer sagen zu müssen, dass jemand ein Medikament nicht bekommt, wenn man darüber keine Informationen hat.“

Schnellere Informationen

Ward Posthuma denkt dabei an das olympische Motto „citius, altius, fortius” – schneller, höher, stärker. „Mit dem NKR haben wir die Daten bereits angereichert, jetzt sind wir bei „citius“ angelangt, also dem schnelleren Zugriff auf diese angereicherten Daten. Stärker bedeutet auch, die digitale Infrastruktur dieses Projekts rechtlich abzusichern und gut zu etablieren. Das letztendliche Ziel ist es, die Auswirkungen von Krebs zu verringern. Als IKNL haben wir die Daten aus dem NKR in der Vergangenheit genutzt, um beispielsweise die Behandlung des diffusen großzelligen B-Zell-Lymphoms mit R-CHOP zu verbessern. Die Behandlung wurde alle zwei oder drei Wochen verabreicht. Wir stellten fest, dass die Überlebenszeit genau gleich war, aber bei der zweiwöchentlichen Dosierung kam es zu viel mehr Neuropathien. Außerdem war diese Behandlung viel teurer, da die Betroffenen häufiger Infektionen bekamen und ins Krankenhaus eingeliefert werden mussten. Aber dafür muss man Jahre zurückblicken.

Jetzt wollen wir schnell auf den neuesten Stand kommen, zum Beispiel beim Einsatz teurer Medikamente bei Lungenkrebs mit all den verschiedenen Mutationen, die dabei auftreten. Ein weiterer Faktor ist, dass randomisierte Studien aufgrund der oft strengen Einschlusskriterien ebenfalls verzerrt sind. Es ist besser, die gesamte Gruppe zu betrachten, und ein Projekt wie dieses kann dann schnell ergänzende Informationen liefern.“

Das Datagateway ruft in Echtzeit alle Arten von Informationen ab. Diese verbinden wir mit den NKR-Daten und erreichen so eine schöne Synergie

Effizient einsetzen

Performation sei dabei ein natürlicher Partner, so Posthuma. „Das Unternehmen hat über das Datagateway sicheren Zugriff auf Quelldaten in Krankenhäusern. Mit dem Datagateway können sie in Echtzeit alle Arten von Informationen bis zum Vortag abrufen. Das werden wir mit den NKR-Daten verknüpfen, was eine schöne Synergie ergibt. Kürzlich haben wir in einem Krankenhaus eine erste „Trockenübung“ organisiert, um den Einsatz von Daratumumab bei multiplem Myelom zu untersuchen, und es hat funktioniert. Über das Datagateway wissen wir vom Vortag, welche Patient*innen behandelt werden und bei wem welches Medikament eingesetzt wird.

Dr. Ward Posthuma

Schlussendlich möchte man das Mittel effizient und zielgerichtet einsetzen, und Big Data wird dies jetzt endlich ermöglichen. Es läuft auf eine kurzzyklische Verbesserung mit guten Informationen hinaus.“ Merkx fügt hinzu: „Eine weitere Rolle spielt, dass ein Großteil der onkologischen Patient*innen heutzutage in mehreren Krankenhäusern diagnostiziert und behandelt wird. Auch daraus kann man lernen und dabei Netzwerke aufbauen.“

Dieses Projekt bringt nicht nur Vorteile für die Behandelnden und Behandelten, sondern auch für die Gesellschaft. Merkx: „Man kann Medikamente zielgerichteter einsetzen. Wenn etwas nicht wirkt, weiß man das früher und kann es früher absetzen.“

 

Möchten Sie mehr über Real World Monitoring und das Datagateway oder unsere anderen Lösungen innerhalb der Enovation-Plattform erfahren? Dann sprechen wir gerne mit Ihnen weiter.

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Performation ist Teil von Enovation. 

Quellenangaben: Der vollständige Originalartikel „RHONDA: Aktuelle Informationen zum Einsatz neuer (hämato-)onkologischer Wirkstoffe“ wurde in der medizinischen Fachzeitschrift „Oncology Up-to-date“ veröffentlicht. 

Foto Thijs Merkx: (© Femke van den Heuvel) 
Foto Header-Bild: Andre Roque Almeida/Shutterstock.com